Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg

 
 
 
 
 
 
 
 

Nachruf für Prof. Dr.-Ing. habil. Gerd Fleischer

21.02.2018 - Prof. Dr.-Ing. habil. Gerd FleischerTief betroffen hat uns die Nachricht, dass Prof. Fleischer am 12. Januar 2018 im Alter von 90 Jahren in Magdeburg verstorben ist.

Prof. Fleischer wurde am 13. Juni 1927 in Freital bei Dresden geboren. Nach einer Berufsausbildung zum Technischen Zeichner und der Erlangung der Hochschulreife begann er 1947 ein Maschinenbaustudium an der Technischen Hochschule Dresden (ab Oktober 1961 Technische Universität Dresden), dass er 1953 mit einem Diplom abschloss. Im Anschluss wurde er wissenschaftlicher Assistent am Institut für Maschinenkunde an der TH Dresden. Seine Forschungsarbeiten widmeten sich Problemen der Schmierung von Lagern sowie dem Stick-Slip-Effekt und mündeten 1961 in seiner Promotion.

Parallel übernahm Prof. Fleischer von 1959 bis 1962 nebenamtlich im Zentralinstitut für Lagertechnik in Leipzig den Aufbau und die Leitung der Abteilung Gleitlager und Schmierungstechnik, wo bisher nur Aufgaben der Wälzlagertechnik bearbeitet wurden.

Die Entwicklung der Hochschule für Schwermaschinenbau in Magdeburg (ab 1961 Technische Hochschule "Otto-von-Guericke", ab 1987 Technische Universität Otto-von-Guericke Magdeburg, ab 1993 Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg) war 1960 mit der Gründung des Institutes für Maschinenelemente und Schmierungstechnik verbunden. Die Leitung des Institutes übernahm Prof. Fleischer als kommissarischer Direktor. 1961, nach seiner Promotion, erfolgte die Ernennung zum Professor für Maschinenelemente und Schmierungstechnik.

Nach seiner Habilitation im Jahre 1965 erfolgte 1969 seine Umberufung zum Professor für Konstruktions- und Tribotechnik, womit der Begriff Tribotechnik im Hochschulwesen erstmalig Eingang in eine Lehrstuhlbezeichnung fand. Neben seinen Aufgaben als Lehrstuhlleiter, Dekan und Senatsmitglied, verantwortete Prof. Fleischer ab 1970 auch die Koordinierung der wissenschaftlichen Grundlagenforschung im Bereich der Tribologie an den Hochschulen der DDR.

Die Entwicklung der Tribologie ist untrennbar mit seinem Namen verbunden. Sein größter Forschungsbeitrag war die Begründung und Entwicklung der energetischen Reibungs- und Verschleißtheorie, für die er 1989, neben vielen anderen Auszeichnungen, mit der Tribology Gold Medal die für einen Tribologen höchste internationale Auszeichnung erhielt. Im nationalen Rahmen erfolgte die höchste Auszeichnung 1994 mit der Verleihung des Georg-Vogelpohl-Ehrenzeichens durch die Gesellschaft für Tribologie e.V. (GfT). Erwähnenswert sind auch seine Forschungen zum Reibungsverhalten von Bob- und Rennschlittenkufen. Die Ergebnisse schlugen sich in vielen Medaillenplätzen bei Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen nieder. 1992 ging Prof. Fleischer in den wohlverdienten Ruhestand, war aber weiter als vielfach gefragter Berater, Beiratsmitglied der GfT und Leiter des Arbeitskreises "Senioren" des VDI des Bezirksvereins Magdeburg tätig.

Neben der Anfertigung von mehr als 100 wissenschaftlichen Veröffentlichungen und der Mitwirkung an mehreren Lehrbüchern und Nachschlagewerken, brachte er 1980 das Fachbuch "Verschleiß und Zuverlässigkeit" heraus. Des Weiteren erstellte er über 140 Promotions- und Habilitationsgutachten für Wissenschaftler aus 13 Ländern.

Wir verlieren mit Prof. Fleischer einen herausragenden Wissenschaftler, Kollegen und Freund, der sich bleibende Verdienste in der Tribologie erworben hat. Wir werden ihm ein ehrenvolles Andenken bewahren.

Prof. Dr.-Ing. habil. Dirk Bartel
Letzte Änderung: 06.03.2018 - Ansprechpartner: Webmaster
 
 
 
 
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